Isabell Reuter rockt den HFA

Die Fraktionsjüngste in den Haupt- und Finanzausschuss (HFA)? Klingt für die meisten erstmal verwegen. Für Isabell Reuter war das im Alter von 23 Jahren keine Frage, sondern ein logischer Schritt. „Alle haben erwartet, dass ich als jüngstes Fraktionsmitglied in den Ausschuss für Jugend, Kultur, Sport und Soziales gehe.“ Heute ist das aber anders, erzählt die heute 28 Jahre alte gebürtige Altenhainerin lächelnd. Dass es anders kam, ist auch ihrer Überzeugungskraft zu verdanken, denn traditionell sitzen meistens die Fraktionsvorsitzenden im Haupt- und Finanzausschuss. „Ich bin froh, dass meine Fraktion mir damals das Vertrauen geschenkt und den Mut bewiesen hat, von der Tradition abzuweichen.“ Mit einer Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten und dem späteren dualen Studium im öffentlichen Dienst konnte sie punkten. Grinsend denkt sie an ihre erste Sitzung als Ausschussmitglied zurück: „Harald Fischer, unser Fraktionsvorsitzender, der zuvor die Grünen im HFA vertreten hat, hatte mich begleitet und saß neben mir. Als es zur Abstimmung kam, blickten ihn alle erwartungsvoll an. Und er deutete dann auf mich, die ich schon lange meine Hand gehoben hatte.“

Den Respekt der anderen Fraktionen musste sie sich erst verdienen. „Der eine oder die andere wird sich schon gefragt haben, was der Jungspund da macht“, vermutet die junge Frau, die seit zwei Jahren in der Kernstadt zu Hause ist. Aber spätestens nach der Behandlung der Verwaltungskostensatzung im Ausschuss war klar, dass sie mit ihrem Fachwissen im HFA gut aufgehoben ist. Mit vielen Nachfragen und Anregungen hat sie mit dafür gesorgt, dass nicht nur die Gebührenordnung, sondern auch die Satzung selbst bei der Gelegenheit nochmal genauer angeschaut und überarbeitet wurde.  Aber auch wenn es manchmal den Anschein macht, das ‚Strucksche Gesetz‘ („Kein Gesetz kommt aus dem Parlament so heraus, wie es eingebracht worden ist“) gilt für kommunale Satzungen nicht unbedingt. Genau wissen möchte es die 28-jährige aber trotzdem. „Letztendlich geht es doch darum, dass alles rechtsicher ist und notfalls auch vor Gericht Bestand hat. Wenn es darüber hinaus noch möglichst verständlich ist, ist doch allen gedient.“

Die Arbeit im HFA beschreibt Reuter als konstruktiv. Es gehe vor allem um Sachfragen, insbesondere um Satzungen, Verträge und um Ordnungsrecht, das ihr ganz besonders am Herzen liegt. Als Beispiel nennt sie die geplante Videoüberwachung am Bad Sodener Bahnhof. Dabei gehe es ja nicht nur um mehr Sicherheit im öffentlichen Raum, sondern auch um die Frage, wie sehr die Grundrechte der Menschen eingeschränkt werden. Das Stadtparlament dürfe den Ordnungshütern keinen Freibrief für Überwachung erteilen, sondern müsse die Pläne kritisch prüfen, erläutert Reuter. Ihre Rede zu diesem Thema im Stadtparlament empfindet sie als einen Meilenstein ihrer kommunalpolitischen Karriere. „Selbst der Vertreter der FDP, der nach mir ans Rednerpult kam, sagte: Wir schließen uns dem an, was Frau Reuter gesagt hat.“

Ihre Passion für das Thema Grundrechte erklärt Isabell Reuter mit ihrem Studium. „Ich habe an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung in Mühlheim am Main studiert. Verfassungsrecht war eines meiner Lieblingsfächer und auch in meiner Thesis habe ich mich mit Grundrechtseinschränkungen beschäftigt.“ Dabei schien ihr beruflicher Werdegang zunächst in eine völlig andere Richtung zu weisen.

Nach dem die Lust auf Schule in der neunten Klasse stark nachließ, entschied sich Reuter damals vom Gymnasium auf die Realschule zu wechseln und anschließend eine Ausbildung zu Köchin zu machen. Mit abgeschlossener Ausbildung in der Tasche entschied sie sich dann schließlich doch noch für ein Fachabitur und die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung. „Ich arbeite zwar mittlerweile in Frankfurt, aber ich bin zu hundert Prozent in Bad Soden verwurzelt“, sagt Reuter schmunzelnd. Sie ist in Altenhain aufgewachsen und hat dort 26 Jahre lang gelebt. Seit zwei Jahren wohnt sie nun in der Sodener Kernstadt. „Was ich an unserer Stadt schätze? Bad Soden ist weder eine Großstadt noch ein Dorf. Hier gibt es viele Möglichkeiten, sowohl zum Einkaufen und Ausgehen als auch kulturell und sportlich gesehen. Außerdem kommt man von hier schnell nach Frankfurt, aber auch in den Taunus“. Die Wohnungssuche allerdings sei schwierig gewesen, weil es kaum günstigen Wohnraum in Bad Soden gebe. „Ich wollte aber unbedingt in der Stadt bleiben, damit ich mein Mandat als Stadtverordnete nicht verliere“, erklärt Isabell Reuter ihre Entscheidung. Auch wenn sie mittlerweile in der Kernstadt wohne, fühle sie sich Altenhain immer noch verbunden: Seit vielen Jahren ist sie in der katholischen Kirchengemeinde aktiv, früher sogar als Messdienerin und noch immer als Lektorin. Außerdem singt die Grüne Kommunalpolitikerin bei JuVokal mit, einem Chor der Jungen Kantorei Bad Soden e. V.

Bei der Kommunalwahl am 14. März steht Isabell Reuter, die schon mit 16 Jahren bei der Grünen Jugend aktiv war, auf dem aussichtsreichen Platz 3 der GRÜNEN Liste. „Ich würde gerne wieder in der Stadtverordnetenversammlung dafür sorgen, dass Bad Soden ein bisschen grüner wird.“ Im wörtlichen und übertragenen Sinne.